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Kainsaz Meteoriten Expedition
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Karte

Bau des Lagers
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Ein Birkhun (Lyrurus tetrix) inspiziert unser Camp.
Das große und schöne Tier kann mehrere Kilo Gewicht auf die Wage bringen und hätte
eine willkommene Abwechslung unseres monotonen Speiseplans abgegeben
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Die Furt durch einen kleinen Bach mit steilen
Ufern kostete uns ein paar Eier, aber der brave
Lada erklomm den Anstieg auf der gegenüberliegenden
Seite anstandslos. Nach einer viertelstündigen
Querfeldeinfahrt durch hügeliges Weide- und Ackerland
erreichten wir den Saum eines Birken- und Kieferwaldes, der
sich bis über den Horizont ausdehnte.
Ein Birkhahn startete schwerfällig von
einer pittoresken Lichtung und krähte
missfallend über die unerwünschte Störung
unserer Ankunft. Das GPS zeigte eine feine Linie, die
unseren Standort von Südost nach Nordwest in einem
Winkel von 47° schnitt. Es war dies die Achse des elliptischen
Streufeldes. Wir waren am Zentrum des Geschehens von 1937 angelangt.
Dieser Ort würde unser Lager für die kommenden zwei
Wochen werden.
Die erste Maßnahme war der Bau des Küchenzeltes.
Stämme wurden gesägt und zu einem Gerüst
zusammengenagelt. Das Ganze wurde mit Seil an zwei starke
Baumstämme gebunden und mit einer transparenten
Plane überzogen. Ein Camping-Tisch, drei Stühle
und eine Petroleum-Lampe vervollständigten die simple
aber brauchbare Konstruktion. Zu diesem Stand der Dinge
beeilte ich mich, mein eigenes Zelt aufzuschlagen. Nach
zwei Tagen auf den Beinen schien mir etwas Schlaf nun
angebracht. Gerade rollte ich meinen Schlafsack aus als
Andreij eine Versammlung im Küchenzelt ankündigte.
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Küchenzelt nach "Klondike" Art. Man beachte das montierte Vallon Magnetometer unter der Hängematte
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13. September 1937, 14:50 Uhr, unweit der Strasse von Tash Elga nach Kainsaz
Auf seinem Rückweg nach Kainsaz folgte Ivan Baryshnikov der
von Tash Elga kommende Strasse wo er eine aufgeregte Gruppe fand, die
gerade einen kohlschwarzen Stein von der Größe einer Pelzmütze
neben der Strasse ausgegraben hatte. Der Stein war etwa einen Fuß tief
eingeschlagen und hatte eine eben so breite Mulde in die Erde geschlagen.
Jemand sagte,
das es sich um eine Bombe handeln müsse und alle traten erschreckt zurück.
Ivan wusste, wie Bomben aussahen und dieses Objekt
sah den Geschossen, die er im Krieg kennen gelernt
hatte überhaupt nicht ähnlich. Doch als die
Dorfbewohner ihn fragten, was denn, wenn keine Bombe, musste
auch Ivan zugeben, dass er in seinem langen Leben Ähnliches
noch nicht erlebt hatte, und hier höheres Wissen gefragt war.
Später, so erfuhr Ivan, wurde ein weiterer Stein gefunden und
Leute aus dem Nachbardorf berichteten, dass ein schwarzer Fels von 22
kg in ein Feld nahe
Krasny Yar gefallen war, keine 50 Schritt von einem Bauer auf seinem Traktor.
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Auf dem Camping-Tisch stand eine Flasche Vodka und drei
Wassergläser. Pyotr schenkte vorsichtig ein und achtete
darauf, dass die Gläser auch tatsächlich bis zu
ihrem äußersten Fassungsvermögen gefüllt wurden.
Obwohl es gerade erst Mittag war konnte ein kleiner „Sundowner“
zu diesem Zeitpunkt nicht schaden. Danach würde ich mich
in die verdiente Ruhe meines Schlafsacks zurückziehen, komme was da wolle. Pyotr
brachte einen Toast auf den Erfolg unserer Mission aus, den wir
wiederholten bevor wir die Gläser leerten. Noch bevor sich das Brennen in
meiner Kehle legte, hatte Pyotr wieder eingeschenkt.
Wieder wurde ein Tost ausgebracht und diesmal war
es meine Aufgabe, den Trinkspruch zu sprechen. Ich
dankte meinen russischen Freunden für ihre Gastfreundschaft
und für die Möglichkeit, an dieser historischen Mission
teilnehmen zu dürfen. Immerhin war ich der erste Deutsche,
wenn nicht der erste Fremde überhaupt, der das Kainsaz Streufeld
betrat. Als die dritte Runde ausgeschenkt wurde griff ich mir einen
Stuhl. Eine weitere Flasche mit einem grimmigen
Bären auf dem Etikett wurde geöffnet.
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Zwei Wohnzelte, ein Küchenzelt und ein Feuerplatz: Das Tartarstan Inn
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Ich packte die Gelegenheit beim Schopf
und schlug vor, das Meeting an dieser Stelle
abzubrechen, da ich fest entschlossen war, am
Nachmittag mit der Meteoritensuche zu beginnen.
Pyotr nickte und stimmte mir zu, dass die harte Arbeit, die
uns erwarte, übermenschliche Kräfte verlangen würde.
Diese könnten nur durch weiteres Vodkatrinken geweckt werden.
Eine halbe Stunde und einige Toasts später wurde das Frühstück
für beendet erklärt und ich kroch endlich in mein Zelt. Mittlerweile
war ich mir nicht mehr sicher, ob ich in ein paar Stunden aufstehen wollte, um das
Magnetometer durch die Wälder zu tragen. Als ich in meinem Zelt verschwand
rief mir Andreij noch hinterher, „keine Angst, wir werden
morgens kaum Vodka trinken“.
Die Kainsaz Meteoriten-Suche erschien mir in diesem Licht betrachtet härter als erwartet.
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Ein 451g Kainsaz Individuum aufgenommen nach dem Fund durch Pyotr Muromov auf der Zentralachse des Streufeldes im Frühjahr 2003.
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Als ich erwachte, war es spät am Nachmittag und ich fühlte mich,
als ob der Grizzly von der Vodkaflasche auf mir gelegen hätte.
Tatsächlich handelte es sich um einen Russischen Braunbären der
Spezies Ursus arctos, aber das machte keinen großen Unterschied in meinem
Zustand. Ein ausgedehntes Bad in der kleinen Schmelzwasserquelle hügelabwärts
brachte die Lebensgeister zurück. Das klare eiskalte Wasser floss aus einem
Plastikflaschenhals, den Andreij auf die Quellöffnung gesteckt hatte.
Bei meiner Rückkehr ins Camp hatte er bereits ein Feuer entzündet.
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A. S. Selivanov. Der Wissenschaftler des
Vernadsky Geochemischen Instituts wurde im Herbst 1937 mit der Untersuchung des Kainsaz Meteoritenfalles beauftragt.
Später, im Jahr 1960, stieg Selivanov zu einem Pionier der Kameratechnologie im Rahmen des sowjetischen Lunar Orbiter Programms auf
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13. September 1937, 18:30 Uhr, Muslyomovo
Am Nachmittag des 13. September1937 hatte der Parteikommisar in Muslyumovo
seinen ersten Bericht fertiggestellt und nach Moskau telegrafiert. Dieser enthielt
bisher wenig mehr als einige Augenzeugenberiche und die beunruhigende Darstellung der
Gerüchte, mit denen sich die Bevölkerung das Geschehene zu erklären
versuchte. In Moskau alarmierten die aus mehreren betroffenen Distrikten eintreffenden
Schilderungen den OGPU, den Vorgänger des KGB. Dort war man überzeugt,
dass nur der Absturz eines deutschen Spionageflugzeugs hinter den Berichten stecken
könne. Sofort wurde der Kommissar angewiesen,
alles verdächtige Material,
das vom Himmel gefallen war, zu konfiszieren und weitere Anordnungen abzuwarten.
Und Moskau zögerte nicht. Sofortmaßnahmen wurden beschlossen,
um eine deutsche Bedrohung in Tartarstan auszuschließen. Noch am selben
Abend wurde das Institut für Geochemie in Moskau, der Vorläufer
des 1947 gegründeten Vernadsky Instituts, angewiesen, umgehend einen Wissenschaftler nach
Tartarstan zu schicken und eine umfassende Untersuchung des Kainsaz-Zwischenfalles durchzuführen.
Der Chefmineraloge des Instituts, Andrei L.S. Selivanov hatte laut dieser Order noch in der
Nacht Richtung Muslyumovo abzureisen und nicht
eher zu ruhen, bis er die Einschlagstelle erreicht hatte.
Wir machten uns an eine Überprüfung unserer Ausrüstung auf
eventuelle Transportschäden. Außer drei White’s Spectrum Detektoren hatten
wir ein Vallon EL-1301 Magnetometer mitgebracht. Ein schweres Gerät, ursprünglich dafür
entwickelt, um Bombenblindgänger in großer Tiefe zu orten. In der empfindlichsten Betriebsstufe
ist das EL 1301 unter günstigen Bedingungen in der Lage, ein ferromagnetisches Objekt in der
Größe eines Golfballes bis in eine Tiefe von etwa 75 cm zu orten. Sein großer Nachteil ist
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Schwieriges Suchgelände entlang der Streufeldachse
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das enorme Gewicht und, wie wir später feststellen sollten, die mangelnde Diskriminierung,
d.h. die Fähigkeit,
zwischen eisernen Artefakten, ferritischer Bodenkontamination und natürlichem Nickeleisen
zu unterscheiden.
Was die White’s-Detektoren anging, so verfügten wir bereits über
brauchbare Erfahrungswerte aus anderen Meteoritensuchen. Die Spectrum Geräte
waren bei gering kontaminierten Böden zuverlässig in der Diskriminierung
und boten eine gute Oberflächenabdeckung, was in unseren Zusammenhängen
wesentlich wichtiger als eine gute Tiefenleistung war.
Kainsaz zählt zu den wenigen CO3-Meteoriten,
die sich überhaupt mit Metalldetektoren orten
lassen. Das Material enthält insgesamt 25,56%
Vollumenanteil Eisen was gerade ausreicht, um dem Prospektor
eine faire Chance zu geben. Vorausgesetzt, der Meteorit
verfügt über eine gewisse Größe und für
die Ortung günstige Form und Lage. Der Eisengehalt von Kainsaz ist
mit etwa
25% ist dennoch recht gering für einen Steinmeteoriten.
Er korrespondiert mit dem eines gewöhnlichen L-Chondriten.
Das Ni-Spektrum der letztgenannten liegt bei
4 bis 10% während sich Kainsaz mit 4,5% Ni am unteren Ende
dieser Bandbreite bewegt.
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Wo liegen die Meteoriten?
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Obwohl niemand von uns erpicht darauf war, an diesem Nachmittag
noch zu arbeiten, waren alle bester Dinge. Mit einer dünnen,
17,9g schweren und etwa 4 x 6 cm messenden Kainsaz-Scheibe, wurden
die Detektoren kallibriert. Die Probe wurde vor Beschädigung
mit einem Plastik-Case geschützt und etwa 10cm unter der
Laubschicht, horizontal zur Oberfläche platziert.
Bei exaktem Anmessen gaben die White’s Geräte ein ausreichendes Signal.
Das Vallon Magnetometer ortete die Probe bereits in einem Radius von 20cm und aus einer vertikalen
Distanz von ca. 25cm. Das Am folgenden Tag würden wir mit der Suche beginnen.
Fortsetzung
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