Inventar # B-371.1



Grart Nwmissia (provisorisch)
Stein, Chondrit, Publikation ausstehend
Tifiquirn, Westsahara
Fund: 27. September 2010
TKW: 50.1 g
Endschnitt 35,20 g

Durchaus noch als frisch zu bezeichnender Chondrit mit prismenförmiger Gestalt, zwei Flächen mit primäer und einer Fläche mit sekundärer Schmelzrinde. Eine weitere Bruchflähce zeigt nur graduelle Schmelzspuren. Die Bruchfläche weist kleine Rosthöfe um die eingeschlossenen NiFe-Aggregate auf, jedoch keine Verwitterungspatina. Im Anschnitt trat eine Megachondre von 6 mm Durchmesser zu Tage. Das untere Foto zeigt den Meteoriten kurz nach dem Fund in situ.

Inventar # B-370.1



G'idat Amwizirat 003 (provisorisch)
Stein, Chondrit, Publikation ausstehend
Saquia al Hamra, Westsahara
Fund: 25. September 2010
TKW: 606 g
Individuum 491,60 g

Orientierte schildförmig ausgeprägte handtellergroße Masse mit einigen Regmaglypten und Resten von Fließlinien. Der Meteorit zeigt auf seiner Oberfläche eine deutlich ausgeprägte Wüstenpatina sowie einige kleinere Sprengrisse durch Verwitterung. Auch die Matrix ist durch chemische Verwitterung eingedunkelt, das Eisen ist bereits stärker oxidiert. Das untere Foto zeigt den Meteoriten in Fundlage.

Inventar # B-369.1

Louj Al Ghardeg (provisorisch)
Stein, Chondrit, Publikation ausstehend
Sidi A. Laaroussi, Westsahara
Fund: 17. September 2010
TKW: 64.40 g
Endschnitt 41,50 g

Unequilibrierter Chondrit mit dicht gepackten Chondren und geringem Matrixanteil. Im Anschnitt lässt sich der Prozess der Aggregation einzelner Chondren in der Frühphase unseres Sonnensystems vor 4,56 Mrd. Jahren gut nachhvollziehen. Das abgebildete Fragment wurde Mitte September durch S. Larabas vom Rücken eines Kamels aus auf einer Hammda aus Kalkschottern nordwestlich von Sidi Ahmed Laaroussi, Westsahara, entdeckt. Eine Nachsuche brachte keine weiteren Bruchstücke des Meteoriten zu Tage.

Inventar # B-0364

Kunya-Urgench
Stein, Chondrit, H5, W0
Dashkhowus Velayat, Turkmenistan
Fall: 20. Juni 1998, 17:25 Uhr Ortszeit
TKW: ~ 1.100 kg
Fragment: 139,0 g

Der spektakuläre Fall des Kunya-Urgench Meteoriten wurde von hunderten Dorfbewohnern der Region Dashkhowus Velayat als gleißender Feuerball am Nachmittagshimmel beobachtet. Am Einschlagsort war ein lautes Pfeifen zu hören, dass von einem Knall gefolgt wurde. Um 17:25 Uhr schlug die Hauptmasse ein, nur rund 30 - 50 Meter von einer Gruppe von Baumwollfarmern entfernt. Der Aufschlag schuf einen Trichter von sechs Metern Durchmesser und vier Metern Tiefe. Aus dem Auswurfmaterial wurde eine Vielzahl von Trümmerfragmenten des Meteoriten geborgen, im Krater selbst grub man die rund 900 kg schwere Hauptmasse aus. Der Präsident Turkmenistans, Saparmurat Nijasow, ließ darauf die Hauptmasse in die Hauptstadt Aschkabatt bringen, wo er den Meteoriten kurzerhand nach sich selbst, in "Saparmurat Turkmenbashy", d.h. in "Sapamurat, Oberhaupt aller Turkmenen", benannte. Als präatmospherische Masse des Meteoriten nimmt man 1,5 bis 2,5 t an, die kosmische Bestrahlunsdauer des H5-Chondriten beträgt ~42 Mio. Jahre. (L.L.Kashkarov et al. 2000). Vgl. auch: V.A.Alexeev, etl.al.: THE KUNYA-URGENCH AND SOME OTHER FRESH-FALLEN CHONDRITES: COSMOGENIC RADIONUCLIDES. In: Lunar and Planetary Science XXXII (03/2001), abstract no. 1024. Und: L.L.Kashkarov et al.: TRACK AND NOBLE GAS INVESTIGATION OF NEW KUNYA-URGENCH H5 CHONDRITE. In: Lunar and Planetary Science XXXI (2000), abstract no. 1397.

Inventar # B-0362

Gebel Kamil
Eisen, ungruppiert (Ataxit)
Al Wadi Al Jadid, Ost-Uweinat Wüste, Ägypten
Fund: 2009
TKW: ~ 1,6 t
Individuum (Schrapnell): 853 g

Kompaktes Schrapnell mit einer konvexen Fläche, gezackten und teilweise umgebördelten Rändern. Die in situ exponierte Fläche zeigt das für diese Lokalität charakteristische Verwitterungsmuster aus submilimeter großen Absprengungen, das in einer ähnlichen Form auch auf Eisenmeteoriten an der Atacama-Wüste in Chile anzutreffen ist. Die in situ geschützte Fläche verfügt über detailliert erhaltene Schermarken und sekundäre Impaktspuren. Ein 0,5 bis 1.5 mm starker Überzug aus Impaktglas des Zielgesteins bedeckt rund ein Drittel dieser Fläche. Unter dem Impaktglas ist die ursprüngliche Oberflächentextur exzellent erhalten. Die Kamil-Schrapnelle wurden an der Grenze des Sudan, in und um einen gut erhaltenen Meteoritenkrater gefunden, der einen Durchmesser von etwa 40 m aufweist. Der Krater, der bereits auf sowjetischen Karten des Gebiets aus den frühen 80er Jahren bekannt war, wurde 2009 durch italienische Forscher wiederentdeckt und als Meteoritenkrater erkannt. Der Impaktkrater hat ein maximales Alter von 5000 Jahren, Indizien sprechen sogar für ein Alter von deutlich weniger als 1000 Jahren. Da weltweit nur eine handvoll Meteoritenkrater mit Durchmessern unter 100 m bekannt sind, gilt die Entdeckung zu recht als wissenschaftliche Sensation.

Inventar # B-0360

Gebel Kamil
Eisen, ungruppiert (Ataxit)
Al Wadi Al Jadid, Ost-Uweinat Wüste, Ägypten
Fund: 2009
TKW: ~ 1,6 t
Individuum (Schrapnell): 576 g

Stark skulpturiertes Schrapnell mit flacher keilförmiger Basis. Die exponierte Seite weist das für die Kamil-Lokalität typische Verwitterungsschema auf. Trotz deutlicher Korrasion durch Windschliff ist auch auf der exponierten Fläche noch ein Relief aus radialen Schermustern zu erkennen. Die in situ aufliegende Seite (nicht im Bild) zeigt gut erhaltene Scherspuren, sekundäre Impaktspuren und lediglich geringe Anzeichen von Oxidation.

Inventar # B-0351

Mount Tazerzait
Stein, Chondrit, L5, S1, W0
Agadez Distrikt, Republik Niger
Fall: 21. August 1991, Nachmittag
TKW: 110 kg
Endschnitt: 617 g

Kompakter Endschnitt mit zwei Schnittflächen, eine davon poliert, zwei Bruchflächen und einer Oberfläche mit gut erhaltener, durch Caliche leicht aufgehellter Schmelzrinde. Mount Tazerzait verfügt über eine außergewöhnliche Lithologie. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen gewöhnlichen Chondriten hat das Material einen sehr geringen Schockgrad, eine relativ lange kosmische Bestrahlungsdauer, und eine ungewöhnlich hohe Porosität von 12,6 Prozent. Das deutlichste Kennzeichen dieser Porosität sind Hohlräume zwischen den Körnern in denen sich durch sekundäres Wachstum idiomorphe Kristalle gebildet haben. Mehr zur Entshehungsgeschichte des Mount Tazerzait-Meteoriten hier.

Inventar # B-0350

Mount Tazerzait
Stein, Chondrit, L5, S1, W0
Agadez Distrikt, Republik Niger
Fall: 21. August 1991, Nachmittag
TKW: 110 kg
Endschnitt: 126,50 g

Endstück mit polierter Schnittfläche, Bruchflächen und Krustenpartien. Eine Fläche zeigt gut erhaltene Reste der ursprünglichen Schmelzrinde, die mit einer Stärke von ~ 0.7 mm durchschnittlich ausgeprägt ist. Leichte Caliche-Ablagerungen haben die Kruste aufgehellt. Das Exemplar stammt von der Familie des Finders und gelangte 1996 über Tamanrasset nach Deutschland. Die Schnittfläche zeigt die mit 12 Prozent ungewöhnlich hohe Porosität des L5 Chondriten.




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