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Expedition 2004 - Die Story
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Ihren Brandzeichen nach gehören diese Tiere dem Marabut von Idri. Sie laufen frei in der Hammada und legen dabei am Tag bis zu 60 Kilometer zurück. Die wenigen, oft hundert Kilometer entfernten Wasserstellen, sind ihnen bekannt. Bis der Besitzer sie findet, können Wochen oder Monate vergehen, doch selten geht eines der Tiere verloren.
Auf der Piste
"Hajja bina ilal Hammada, Inschallah" gebe ich das Kommando und die Wagen rollen an. Unser Ziel ist die Hammada al Hamrah, die "rote" Hochebene, die rund 700 km südlich von Tripolis beginnt und gut 80.000 Quadratkilometer der libyschen Sahara bedeckt. Es ist jene Wüste, die Gerhard Rohlfs, Sahara-Pionier und Wegbereiter europäischen Entdeckertums in Afrika, die "Wüste aller Wüsten" genannt hat. Henri Paul Eydoux, der große Geschichtsschreiber der Wüstenforschung schreibt noch 1938: "die libysche Wüste ist in ihrer Gesamtheit wohl die furchtbarste Wüste, die man sich vorstellen kann. Die Karawanen, die sich in sie hineinwagen, müssen auf manchen Strecken mit zehn Tagen Marsch ohne Wasserstellen rechnen. Sie ist gleichsam der Archetypus der Sahara, eine Sahara des Dursttodes, voll finstrer Geheimnisse, die dem europäischen Forscherdrang, lange Zeit unüberwindliche Schranken entgegengestellt hat". Eydoux kannte die Statistik. Denn bis zur Unterwerfung der Kufra-Oasen durch die Italiener 1931 kehrten von fünf Europäern, die sich in die libysche Sahara wagten, nur drei lebend in die Heimat zurück.

 

"Al tariq tauwil wa al leila quasir"
Mitte der achtziger Jahre tauchten von hier, aus der Gegend um Daraj, die ersten Meteoritenfunde auf. Als in der Folge neben gewöhnlichen Chondriten, die den Großteil aller Meteoritenfunde ausmachen, auch extrem rare Mond- und Marsgesteine aus der benachbarten Dar Al Gahni Region bekannt wurden, kam es zu einem wahren Rausch. Meteoritensucher und Hidalgos jeglicher Colouer zogen in die Wüste, die bisher nur Nomaden und Ölsucher gesehen hatte. Bis heute wurden so in den beiden Hauptfundgebieten Dar Al Ghani und Hammada al Hamrah insgesamt knapp 1.400 Meteorite geborgen. Die Kleinsten wenige Gramm schwer, der Größte 95 Kilogramm.

Doch nicht alle Expeditionen wurden fündig. Für manchen Glücksritter endete das Abenteuer mit dem Biss einer Sandviper oder dem Stich des schwarzen Skorpions. Andere gerieten auf Minen oder wurden Opfer von Rebellen aus Algerien, Mali oder dem Tschad, die sich hier
 

Hammada al Hamrah Meteorit insitu
in Ihren Schlupfwinkeln gestört fühlten. Und auch die unversehrte Ankunft im Suchgebiet garantiert noch keinen Fund. Denn obwohl wir in den beiden Fundregionen von einer ungewöhnlich hohen Dichte an Meteoriten sprechen können, sind die nackten Zahlen eher ernüchternd: In guten Gebieten liegt auf zwanzig Quadratkilometern gerade einmal ein Meteorit.

Aus naheliegenden Gründen hat sich die wachsende Gemeinde der Meteoritensucher heute anderen, weniger frequentierten und leichter zugänglichen Fundgebieten zugewendet. "Dhofar", "Say Al Uhaymir" und "Jidat Al Harasis" heissen die neuen Fundstellen im Sultanat Oman. Neuderdings munkelt man von einem soeben entdeckten Streufeld in Botswana. Wir dagegen glauben, dass die Hammada al Hamrah noch längst nicht all ihre Geheimnisse preisgegeben hat.

Die ersten 300 Kilometer unserer Fahrt verlaufen ereignislos. Auf der gut ausgebauten Asphaltpiste nach Brak geht es zügig voran. Nur einige Male bremsen wir ab, um über flache Flugsanddünen zu steuern, oder um ein Kamel zu umfahren, dass sich auf der Piste niedergelassen hat. Hinter Brak, dessen stätdebaulicher Charme nur wenig hinter dem Ulan Bators zurückliegt, biegen wir ab ins Wadi Schati. Das breite Tal, dass sich rund 140 km Richtung Westen erstreckt, markiert die Südgrenze des Dschebel Al Hasawinah und ist reich an Wasserstellen. Wir passieren ausgedehnte Gärten und Palmenhaine, die im Schuttmeer des Wadis an Inseln auf hoher See erinnern.
 

Bildausschnitt aus der GPS Navigation. Die nummerierten Icons stellen die im MetBulletin publizierten Fundkoordinaten der HaH-Meteoriten dar.


Im Dschebel Al Hasawinah
Hinter Idri löst sich die markierte Piste in eine Reihe von Fahrspuren auf und verflüchtigt sich im Gelände. Die bewohnte Welt ist hier zuende. Das Terrain wird zunehmend schwieriger. Wir kreuzen endlose Geröllfelder und stossen immer wieder auf Streifen mit tückischem Fesch Fesch, die sich nur mit gewagtem Anlauf queren lassen. Es geht jetzt seit drei Stunden bergauf, dass GPS zeigt bereits eine Höhe von knapp 600 Metern über NN. Unser Jeep schwankt wie eine chinesische Dschunke bei hohem Seegang während wir auf schmalen Pfaden über Felsblöcke und Bruchkanten klettern.

Ich überlege gerade eine Siesta zu machen, um ausgeruht im Suchgebiet anzukommen, als Saleh Vollgas gibt, und mit halsbrecherischem Tempo Anlauf auf einen haushohen Dünenkamm nimmt.


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Abgedruckt in Meteorite
Nov. 2004






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