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Expedition 2002 - Die Story
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"Alhamdulillah!"
Wie eine rote Wand zwischen zwei Felszinnen versperrt die Verwehung unseren Weg. Ich versuche im kontrastlosen Sand die Passage zu erkennen, die Saleh ansteuert, bis ich feststellen muss, dass er es auf die harte Tour versucht und die Wand frontal anfährt. Entgegen meinen Erwartungen schafft der mit fast einer Tonne Ausrüstung beladene LandCruiser den steilen Anstieg und schießt mit letztem Schwung über den Kamm. Ich peile über die himmelwärts zeigende Motorhaube während das Fahrzeug in Zeitlupe vorneüberkippt.

Zu unserem Schrecken fällt der rückwärtige Abhang der Düne fast senkrecht ab. Saleh wirft mir einen bangen Blick zu und ich schaffe es gerade noch den Gurt einzuklicken während wir
 

Tag und Nacht weht der Wind in diesem Teil der Sahara aus Nordost - das ganze Jahr über. Dreht er doch einmal auf Süd trägt er den Gluthauch der Sandsee in die Hammada.
wie im Fahrstuhl mit beängstigendem Tempo abwärts schlittern. Am Fuß des Abbruchs schlägt der Toyota mit der Frontpartie hart auf, was zu einer plötzlichen Umverteilung unserer gesamten Habseligkeiten im Fahrzeug führt. Ammul wird auf dem Rücksitz unter Naturalien und Küchengerät begraben. Er lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen und beginnt mit dem Gleichmut des Smutjes eines gekenterten U-Boots wieder Ordnung in seiner Kombüse herzustellen.

Die japanischen Konstrukteure haben offenbar auch den wilden Saleh und die Dünen des Al Ghargaf einkalkuliert, denn der Jeep hat dem ersten Augenschein nach keinen ernsten Schaden genommen. Der Wagen ist schnell wieder flott gemacht und so erreichen wir ziemlich zerschlagen, nach fast 500 km Tagesstrecke, am späten Nachmittag den Rand des Hochplateaus.

Beim scouten nach einem geeigneten Aufstieg umfahren wir einige freistehende Tafelberge, deren steil abfallende Wände die in Jahrmillionen entstandene Schichtfolge erkennen lassen. Bei den untersten Lagen handelt es sich um kreidezeitliche Sandsteine und Dolomite, die jedoch nicht in ihrer eigentlichen hellen Farbe erscheinen, sondern mit einer pechschwarzen Patina überzogen sind.
 

Der Aufstieg zur Hammada: " Über dieser mächtigen Sandsteinschicht welche an einigen Stellen ein Tonlager mit Beimischung von Gips deckte, ruhte eine Schicht Mergel und auf dieser, als oberste Kruste, Kalkstein und Kiesel" Heinrich Barth 1850
Heute weiss man, dass diese "Wüstenlack" genannte Schicht, auf die Aktivität von Bakterien zurückgeht. Die Mikroorganismen oxidieren auf dem hellen Muttergestein Mangan und Eisen, das sie dem Staub der Luft entnehmen. Über Jahrtausende bildet sich eine Millimeter starke Schicht aus dunklen Oxyden. Heinrich Barth, der im Herbst des Jahres 1850 auf seiner Expedition zum Mittellauf des Niger die Hammda durchquerte, stiess als erster auf dieses merkwürdige Phänomen: "Jeder würde das Gestein beim ersten Anblick für Basalt gehalten haben, aber der Bruch enthüllte sofort den wahren Charakter" Den weiteren Aufbau des Hochplateaus beschreibt Barth wie folgt: " Über dieser mächtigen Sandsteinschicht, welche an einigen Stellen ein Tonlager mit Beimischung von Gips deckte, ruhte eine Schicht Mergel und auf dieser, als oberste Kruste, Kalkstein und Kiesel".

Diese feinkörnige Schicht aus roten Kieseln, die der Hamra ihren Namen gibt, ist das Eldorado der Meteoritensucher. Auf der monotonen, lateritroten Oberfläche hebt sich jeder Fremdkörper deutlich ab. Meteorite, die aufgrund ihres Atmosphärenfluges eine tiefschwarze Kruste aus geschmolzenem Material ausbilden, sind bei einer Größe von einigen Zentimetern oft schon aus 100 m Entfernung zu erkennen. Hinzu
 


Zwanzig Minuten gezogen, mit einer Handvoll Zucker gesüsst und wohl zehn Mal aufgegossen weckt Salehs grüne Tee sogar die Toten auf
kommt das unglaubliche Alter der Hammada. Nach den jüngsten Erkenntnissen, datiert die Oberfläche auf das frühe Pleistozän, rund 1 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Das erhöht die Fundchanchen enorm. Denn im statistischen Schnitt fällt pro Hektar alle 10.000 Jahre ein Meteorit mit einem Gewicht von über 100g. Selbst wenn man den natürlichen Schwund durch Erosion und Verwitterung einkalkuliert, kommt man bei einem Oberflächenalter von 1 Mio Jahre und darüber, schon auf eine beeindruckende Zahl an potentiellen Funden. Soweit jedenfalls die Theorie.

Die Suche beginnt
Nach einer sternklaren und eiskalten Nacht klettern wir bei Sonnenaufgang aus den Schlafsäcken. Salehs grüner Tee wirkt Wunder. Er hat ihn auf drei Holzkohlen im Windschatten des kleinen Küchenzeltes gebrüht, mit einer Handvoll Zucker dosiert und gemäß des Teerituals der Tuareg immer wieder aufgegossen. Das schäumende Ergebnis serviert er uns in kleinen Schnapsgläsern, die er aus dem Saum seines Chesch hervorzieht. Ich erkläre die vorher auf dem GPS berechnete Route. In Zickzackbahnen geht es Richtung Norden, Schrittgeschwindigkeit ist angesagt. Bis Mittag wollen wir 28° 30' Nord erreichen. Ich weiß von meinen vergangenen Expeditionen, dass die Chancen Meteoriten zu finden, morgens und abends, mit dem Tiefstand der Sonne, am besten sind. Mit der Sonne im Rücken heben sich die dunklen Gesteinstrümmer deutlich auf der ockerfarbenen Kiesfläche ab.


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Expedition 2004 - Die Story
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Abgedruckt in Meteorite
Nov. 2004






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