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Expedition 2004 - Die Story
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Bei Temperaturen um die 50°C ist jeder Quadratzentimeter Schatten kostbar

Stunde um Stunde, Bahn um Bahn kreuzen wir über die Ebene. Ab und zu halten wir an, um einen Stein genauer unter die Lupe zu nehmen. Im grellen Mittagslicht erinnert der rote Untergrund an Oberflächen, wie wir sie von den Bordkameras der Marsrover kennen. Zwischen dem mürben Kies wirbelt der Fuss einen feinkörnigen, puderartigen Staub auf, der sich wie ein roter Nebel auf der Kleidung niederschlägt. Staub der Jahrtausende. Rest des einstigen Mutterbodens, aus einer Zeit vor über 10.000 Jahren, als noch Savannenvegetation dieses Land bedeckte. Unsere Fußspuren, die sich scharf und prägnant dem Wüstenboden einprägen werden noch in zweihundert Jahren zu sehen sein. Es gibt in der Hammada keinen Quarzsand, der sie zudecken würde. Und das ist gut so. Denn der Quarzsand, vom stetigen Wind über die Ebene geblasen, würde jeden aus dem Boden ragenden Meteoriten nach wenigen tausend Jahren abgeschliffen haben.
 

Nach zwei Tagen erfolgloser Suche sehnen wir alle den grossen Meteoritenfund herbei. Doch oft vergehen Stunden, bis auf der konturlosen Fläche überhaupt einmal ein Fremdkörper in Sicht kommt


Wir haben heute einige Hektar abgesucht und nur Allah weiß wie oft wir wendeten, anhielten, ausstiegen und "verdächtige" Steine aus dem Staub gehoben haben. Nur um sie gleich darauf wieder abzulegen. Würde uns bei unserem Treiben ein Fremder beobachten, er würde sich gewiss fragen, welcher böse Dschinn diese Männer in Ihrem Auto in seinem Bann geschlagen hat, dass sie herumziehen, um die Steine der Hammadah zu drehen. Wie lange werden sie wohl brauchen, bis sie fertig sind mit dieser undankbaren Mission? "Sagt an, wie verwaltet Ihr die Zeit, die Euch nur einmal gegeben?"

Einige Male brachte Saleh mir schwarze Steine, die auch den Magneten anzogen. Eruptivgesteine mit einem hohen Magnetitanteil. Sogenannte "Pseudometeorite", die den echten Himmelssteinen nur auf den ersten Blick ähnlich sehen. Wir sollten sie noch häufiger finden.

Pseudometeorite
An zweiten Tag ist unser Trupp mit den hier vorkommenden Pseudometeoriten so gut vetraut, dass wir kaum noch aussteigen um einen verdächtigen Kandidaten näher unter die Lupe zu nehmen. Oft sehen wir schon aus zehn oder zwanzig Metern, mit welcher der fünf in Frage kommenden Täuschungen wir es diesmal zu tun haben. Da sind einmal die dunkelgrünen Flintsteinknollen, die einst in den Kalksedimenten eingebettet waren. Mit der Zeit
 


Die Afrikanische Wanderheuschrecke, Schistocerca gregaria. Die wandernde Morphe ist anspruchslos und hart im Nehmen. Sie zählt zu den wenigen Tieren, die auf ihren Zügen die freie Hammada queren
wittern sie heraus und streuen über die Oberfläche. Sie tauchen als dunkle Knollen im hellen Kies mal mehr mal weniger gehäuft auf und sind stellenweise eine echte Plage. Genauso häufig stossen wir auf zerstreute Ansammlungen größerer Gerölle, die ebenfalls durch Ihre fast schwarze Färbung für einen erhöhten Puls sorgen. Beim Näherkommen erkennen wir die typische Textur des Dolomits. Die schwarze Färbung ist lediglich Wüstenlack. Es sind die einzigen vom Wüstenlack bedeckten Steine auf diesem Untergrund. Das läßt vermuten, dass die chemische Veränderung durch das Feuer die Steine anfällig macht.

Heute gehen wir auch einem Stück Reifengummi auf den Leim. Wohl kaum ein anderer Fremdkörper auf dem hellen Kies imitiert einen frisch gefallenen Meteoriten so täuschend ähnlich, wie der schwarzglänzende Abrriss einer Goodyearstolle. Diese Fehlalarme schärfen das Auge und sind nicht zu vermeiden. Heiter wird es, wenn sich der vermeintliche Himmelsstein als das vom Winde verwehte Verdauungsprodukt eines Kamels herausstellt. Wir funken dann dem enttäuschten Entdecker Gratulationen zum Fund der "Umm kulla Ah'schar", der "Mutter aller Steine" und ähnliche Späße.

Geschenk des Duce
Unser Team kann mittlerweile die drei in der Hammada vorkommenden Gesteine aus einer nautischen Meile mit bloßem Auge bestimmen. Einen Fund hat uns das immer noch nicht beschert. Der guten Stimmung jedoch tut das keinen Abruch. Die Zuversicht ist groß und das Vetrauen in Allah nach wie vor unerschüttert. Dass Allah für die Seinen auch in dieser nackten Einöde sorgt, diese Erfahrung durfte heute Saleh machen. Er hatte die Nacht eingerollt in der einzigen vorhandenen Decke verbracht, was ihn angesichts des eisigen Windes gegen Morgen ins Auto wechseln ließ. Da wir kein überflüssiges Gepäck mitführten, blieb ihm nur die Aussicht auf eine Reihe weiterer kühler Nächte, aber es sollte anders kommen.



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Abgedruckt in Meteorite
Nov. 2004






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