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Expedition 2004 - Die Story
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Der "Darb Al Atasch", der "Pfad des Durstes" wie die Bornu Karawanenroute von den Tubu genannt wird. Seit dem Ende der Jungsteinzeit war die Nord-Süd Verbindung für über dreitausend Jahre die bedeutendste transafrikanische Handelsroute. Auf Ihr gelangte der Reichtum Schwarzafrikas in Gestalt von Elfenbein, Straussenfedern, Gold und Sklaven von den Ufern des Tschadsees an die Küste des Mittelmeeres

Die Bornu-Karawanenroute
In den folgenden Tagen kämpfen wir uns durch zwei tiefe Wadis und endlose Schuttfelder in den östlichen Teil der Hammada. Auf der dazwischenliegenden Ebene, die sich in Nord-Süd Richtung bis zum Horizont erstreckt, stoßen wir auf eine Spur aus finstrer Zeit. Die Bornu Karawanenroute. Ich kannte den Track bisher nur von Satellitenbildern und auf diesen ist er schon eindrucksvoll. Der Anblick der im Wüstenboden wie in einer Zeitkapsel erhaltenen Spuren läßt es einem jedoch kalt den Rücken herunterlaufen. Für Zehntausende war der Anblick dieser Spuren im roten Staub der Dursthölle, das letzte was sie sahen. An den Ufern des Tschad, in den Wäldern des Schari und in den Sümpfen Tuburis hatte man Ihre Krale überfallen und Ihre Hütten niedergebrannt. In Ketten geschlagen von den Warlords der Iferogas und in Kuka an arabische Sklavenhändler verkauft, traten die Unglücklichen ihren Weg zu den Häfen des Mittelmeers an.

 

Gerhard Rohlfs 1831 - 1896, der erste Europäer, der Afrika von der Mittelmeerküste bis zum Golf von Guinea durchquerte
Von Bornu an den Ufern des Tschadsees ging es zunächst durch die östliche Tenere, durch das Meer der Sandes. Das Tibesti wurde westlich passiert und in acht Tagesmärschen die "Durchglühte", die wasser- und vegetationslose Hammada al Hambrah durchquert. Von den oft über tausend Köpfen zählenden Sklavenkarawanen überlebte selten mehr als ein Bruchteil die knapp zweitausend Kilometer zählende Strecke. Was an "Menschenware" die Sklavenmärkte in Benghazi oder Tripolis erreichte, fürchtete den Tod nicht mehr.

Gerhard Rohlfs, der die Hammada auf der Bornu-Route von Murzuk kommend im April 1866 durchquerte, gibt uns in seinen Tagebüchern ein drastisches Bild von den damaligen Verhältnissen. Am Meschru Brunnen stößt er auf die Spuren durchziehender Karawanen:

"Rings umher lagen Massen von Kamel- und Menschenknochen, ein weites Knochenfeld. Selbst in meinem Zelt trat ich auf einen Schädel, den mein Diener in der Dunkelheit beim Abräumen des Bodens übersehen hatte. Die Menschengerippe sind Überreste von verschmachteten Sklaven, deren Leichname man nicht der Mühe wert hält, in Gräber zu verscharren, sondern da, wo sie gefallen sind, liegen läßt. [...] Überall am Weg sieht man gebleichte Menschenknochen, an manchen noch Fetzen von dem blauen Kattun, den die Negersklaven tragen; man braucht nur diesen Gerippen zu folgen, so kann man den Weg nach Bornu nicht
 

Von Zeit zu Zeit gibt die Sahara Ihre Toten frei, nicht aber deren Geheimnis. Dieser 1953 von einer englischen Militärpatrouille nördlich von Kufra gefundene Leichnam konnte nie identifiziert werden
Bild: Peter Cowley & Mario Martinez
verfehlen. [...] Das Wüstenreisen hatte mich bereits seine Strapazen tüchtig empfinden lassen und mir durch den steten Anblick von Gerippen umgekommener Menschen seine Gefahren vor Augen gestellt. Und es war noch ein weiter Weg bis zur nächsten bewohnten Oase!"

Ein größeres Kaliber
Wir folgen dem alten Pfad nordwärts und ich weise Saleh an, die Spuren nicht durch achtloses Überfahren zu zerstören. Nach einigen Kilometern finden wir eine Ölbohrpiste, die das breite Band schneidet und können unsere Fahrt ostwärts fortsetzen.

Wir haben gerade einen Reifen gewechselt und sind kaum fünfzig Meter gerollt, als ich direkt neben dem Fahrzeug einen schwarzen Stein bemerke. Ich lasse halten, um ihn mir anzusehen. Beim Aussteigen bemerke ich im Umkreis noch eine Reihe weiterer schwarzer Trümmer. Wahrscheinlich sind wir wieder auf eine prähistorische Feuerstelle gestossen. Ich teste den Brocken, der mir vom Auto aus aufgefallen war, mit dem Magneten. Als mir dieser aus der Hand an den schwarzglänzenden Stein flippt, verschlägt es mir den Atem. Deutlich erkenne ich jetzt aus der Nähe auch die milimetergroße Kügelchen und die runden Vertiefungen, die diese beim Auswittern in der Hülle des Steins zurückgelassen haben. Kein Zweifel. Es sind Chondren, Bausteine der primitiven Meteoriten. Material des präsolaren Urnebels, rund 4,5 Milliarden Jahre alt.

 


... am Ende können wir im näheren Umkreis der Hauptmasse insgesamt 21 Fragmente des beim Aufschlag zerschellten Meteoriten bergen
Ich fühle mich, als hätte ich gerade die Quellen des Nils entdeckt. Jeder Jäger, Sammler oder Forscher kennt diesen kostbaren Moment. Es ist der Augenblick einer ganz privaten und schwer mitteilbaren Freude. Und bedenkt man die wahnwitzige Konstellation von Zufälligkeiten, die verbunden mit unvorstellbaren Parabeln, Entfernungen und Zeiträumen zum Fall eines Meteoriten auf die Oberfläche unseres Planeten führt, so ist die Idee, den Fund eines solchen Himmelssteines während eines Menschenlebens planen zu können, eine fast aberwitzige Vorstellung. Und dennoch ist es uns soeben gelungen. Zum zweiten Mal.

Aber da war doch noch was. Richtig, hier lagen ja noch mehr schwarze Steine. Ich wage es kaum zu hoffen - Potzblitz! auch ein zweiter Stein fünf Meter weiter ist definitiv ausserirdisch. Saleh winkt mich zu einem dritten und auch Ammul ruft von der anderen Seite des Jeeps... . Plötzlich wird mir klar: dass muss ein größeres Kaliber gewesen sein - wir stehen mitten im Impakt eines beim Aufschlag zerschmetterten Steines. Die Spur unseres Jeeps hat den Aufschlagkegel knapp sechs Meter vom Zentrum geschnitten.

Jetzt bricht allgemeiner Jubel aus. Während die Männer in immer weiterem Umkreis Funde markieren, mache ich mich an die Dokumentation. Überall entdecken wir jetzt Meteoritensplitter. Die meisten viel zu klein, als daß wir sie je vom fahrenden Auto aus hätten entdecken können. Selbst unter dem Fahrzeug finden sich noch zwei haselnussgroße Fragmente. Der Streukreis misst am Ende 28 Meter, fast ein Kilo Material können wir bergen. Der Stein muss bereits während des Atmosphärenfluges durch die starken Torsionskräfte angebrochen sein, oder er ist auf hartem Grund aufgeschlagen. Angesichts des feinkörnigen Kies, der heute die Oberfläche abgibt schwer vorstellbar. Möglich ist auch, dass der lose an der Oberfläche verwitterte Dolomit zum Zeitpunkt des Aufschlags noch in größeren Körnungen vorkam.


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Abgedruckt in Meteorite
Nov. 2004






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