www.niger-meteorite-recon.de
Expedition 2002 - Die Story
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | Team | Area Map

 



Wo die ansonsten absolut zuverlässige französische Generalstabskarte in weitem Umkreis nichts als flache Wüste anzeigt, entdecken wir einen Bergrücken, der sich auf einer Länge von über einem Kilometer gut sechzig Meter über das Niveau eines prähistorischen Seebeckens erhebt
Wir können zwei verschiedene Nutzungsphasen bestimmen, von denen die Jüngere sich durch einen ovallänglichen Aufbau des Grabhügels auszeichnet. Einige der größeren Anlagen zeigen Spuren antiker Grabräuber, die auf der Suche nach den Grabbeigaben tiefe Schächte in die Hügel gruben oder kurzerhand den ganzen Grabhügel abtrugen. Keramikscherben im Aushub zeigen an, dass sie fündig wurden.

Wie wir später feststellen, stammen die flachen Sandsteinplatten, aus denen die Hügel aufgeschichtet wurden, von einem Steinbruch rund sechzig Kilometer weiter südlich. Von den Erbauern der Anlage, den bereits vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot erwähnten Garamanten, sind hier um 1000 v. Christus gewaltige Transportleistungen vollbracht worden.

Arbeiten, die ohne die Kenntnis des Rades kaum vorstellbar erscheinen. Herodot, der die Garamanten als "riesenhaftes Volk" beschreibt, das in den Oasen des großen Sandmeeres wohnt, wissen wir auch von Streitwagen, mit denen die Urväter der Tuareg Jagd auf die höhlenbewohnenden Aithoipier machten. Bei den von Herodot erwähnten "Aithiopiern" dürfte es sich um die Reste der jungsteinzeitlichen Urbevölkerung der Sahara handeln, deren Niedergang mit dem Ausklingen der letzten Feuchtphase vor rund 4000 Jahren begann.

Herodots Beschreibung jener aithiopischen Troglodyten erinnert an die noch heute lebenden Tibbu, deren zwitschernde Sprache ganz dem "Vogelgezwitscher" entspricht, mit dem der Grieche die fremdartigen Laute des antiken Wüstenvolkes wiedergibt.

 

Tuareg vom Stamm der Kel Tedele auf Wanderschaft im Air
Am Abend erreichen wir Tamart Neblish, den Bart Satans, einen pechschwarzen Basaltkegel am Rande des unwirtlichen Air-Gebirges. An seinem Fuß treffen wir auf ein junges Targimädchen, die uns zu ihrer Mutter führt. Sie kauert im Schatten des Zeltes, erschöpft aber glücklich, denn sie hat am Morgen ein Kind geboren. Nackt und mit geschwollenen Lidern liegt das Neugeborene vor uns im Sand. Die Mutter dreht es wie einen Brotlaib auf den Rücken, damit wir sehen können das es ein Junge ist. Seit die Männer vor drei Wochen aufbrachen, um nach ihren Kamelen zu suchen, hat sie sich mit ihren drei Töchtern allein von Ziegenmilch ernährt.

 

Der Samum, wie die Araber den trockenen Nordost nennen, der hier über eine Düne im Air weht, hält uns im Gebirge fest. In der offenen Wüste sinkt die Sichtweite unter solchen Bedingungen bis auf wenige Meter
Durch enge Schluchten, über Jahrtausende von den geröllführenden Fluten aus dem Gestein geschliffen, setzen wir unseren Weg fort ins Innere des Vulkanmassivs. Steinzeitliche Felsgravuren über unserem abendlichen Lagerplatz geben einen Blick frei auf das Leben in diesem Tal vor fünftausend Jahren. Der Schein unseres Feuers fällt auf Hirten, weidende Rinder und eine große Raubkatze, die drohend ihren Rücken krümmt. Zum letzten Mal vor drei Jahren, erzählt uns Elkontchi, sei ein Gepard nachts in das Tal seines Clans hinabgestiegen und habe drei Ziegen und ein Schaf gerissen. Die Angriffe wiederholten sich und sein Vater verfolgte den Räuber auf seiner Fährte in die Berge.

Am Abend des vierten Tages habe er das Tier in einem Engpaß gestellt und nach kurzem Kampf getötet. Meine Frage, das sei mit den alten Vorderladern, die man hier mit sich herumschleppe sicher nicht ganz leicht gewesen, empört ihn sichtlich: Ich glaubte wohl, die Kel Tedele hätten vergessen, wie ihre Vorfahren auf die Jagd gingen? Mit Dolch und Speer habe sein Vater den Gepard erlegt, nicht anders. Ich überlege, ob ich Elkontchi, der nachts wegen der umherstreifenden Hyänen lieber im Jeep schläft, auch solchen Heldenmut zutraue.

 

Die weissen Marmorklippen östlich Taghmert
Früh am nächsten Morgen passieren wir Tehmet, das Tor zur Ténéré. Schlagartig verändert sich das Landschaftsbild. Von Osten her brandet die große Sandsee an die schroffen Felsen, die Ebene scheint kein jenseitiges Ende mehr zu besitzen. Flugsand, dem der Weg hier verspert ist, türmt sich im Nordostwind zu gewaltigen Sicheldünen, über deren steile Kämme der feinkörnige Staub in langen Fahnen abweht.


www.niger-meteorite-recon.de
Expedition 2002 - Die Story
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | Team | Area Map


 




Weitere Expeditionsberichte in Meteorite





  © 2001-2008 NigerMeteoriteRecon