www.niger-meteorite-recon.de
Expedition 2002 - Die Story
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | Team | Area Map

 

"Amân Imân" - "Wasser ist leben", die wohl am häufigsten gebrauchte Redewendung der Tuareg. An diesem Guelta im Air, in dem sich das Regenwasser mehrere Jahre hält, versteckten sich während der Rebellion über ein Jahr lang dreihundert Kämpfer
Die Fahrer lassen Luft aus den Reifen ab, um in den Sandfeldern größeren Auftrieb zu haben. Wasser ist ab jetzt nur noch zum Trinken da, im Notfall muss der Vorrat vierzig Tage halten. Die Ténéré, die große Weite, wie die Wüste auf Tamashek heisst, verzeiht keine Fehler, ermahnt uns Aoutchiki. Und um seiner Warnung Nachdruck zu verleihen, erzählt er uns die Geschichte einer Gruppe Franzosen, Angestellte der Minengesellschaft Cominac, die im letzten Jahr von Arlit aus zu einem "Wochendendausflug" in die Wüste aufbrachen. Ein einheimischer Führer und ein Koch begleiteten die beiden Ehepaare und ihre Kinder.

Hundert Kilometer östlich Agamgam verloren sich die beiden Fahrzeuge aus den Augen, als der zweite Wagen durch eine Reifenpanne zum Anhalten gezwungen wurde. Wind kam auf und verwehte die Spur des Führers, der ohne einen Blick in den Rückspiegel noch zwei Stunden weitergefahren war, bevor er merkte, dass er die anderen verloren hatte. Der Mann kehrte um, doch als er die letzte gemeinsame Position erreicht hatte, war vom zweiten Fahrzeug nichts mehr zu sehen. In einer Gewaltfahrt von zweiundzwanzig Stunden preschte er noch in der selben Nacht nach Arlit zurück und löste dort eine der größten Suchaktionen in der Geschichte des Landes aus.

 

Targi auf der Suche nach Weidegrund für seine Herden. "Nebenbei" sucht er nach Erz, dass er dem Schmied der Oase Timia verkaufen will
Als Militär, Polizei und private Fluglinien auch nach einer Woche noch keine Spur von den Vermissten gefunden hatten, schickte die französische Marine einen in Algier stationierten Brequet-Seeaufklärer, der das rund 10.000 Quadratkilometer große Suchgebiet zwei Tage lang mit Infrarotsensoren abflog - ohne Erfolg. Am 11. Tag wurde die Suche abgebrochen. Aoutchiki, der erst an diesem Tag von dem Vorfall erfuhr, suchte einen der an der Suche beteiligten Piloten auf und ließ sich über die Details informieren: "Ich wusste, dass die Winde in dieser Gegend unter bestimmten Bedingungen Strukturen in den Sand modellieren, die für den Unerfahrenen leicht mit Reifenspuren zu verwechseln sind. Die falschen Tracks weisen um diese Jahreszeit nach Norden.

 


Salzkarawane auf dem Weg in die 450 Kilometer entfernte Oase Bilma. Für Hin- und Rückweg werden die Männer über einen Monat benötigen. Der Wasservorrat für Mensch und Tier wird jeweils bis zum nächsten Brunnen reichen ... Inschallah!
Sie verlieren sich südlich Adrar Bous, in einer Gegend, die wir "das Labyrinth" nennen. Dort wurde noch nicht gesucht". Gemeinsam beschlossen beide, einen letzten Versuch zu unternehmen und stiegen mit einer kleinen Cessna auf. Keine drei Stunden später konnte der Pilot die Maschine auf einem Schotterfeld unweit des gesuchten Autos aufsetzen. Tobsüchtig und völlig nackt griffen die Verdurstenden ihre Retter an. "Der Gluthauch des Erg hatte ihren Verstand ausgetrocknet", erzählt uns Aoutchiki.

Da alle Vorräte auf dem anderen Fahrzeug verstaut waren, war das wenige Wasser, das sie bei sich hatten, trotz strenger Rationierung nach vier Tagen ausgegangen. Am zweiten Tag gelang es dem Koch, eine umherstreifende Kamelstute mit ihrem Fohlen einzufangen und so hatte man bis das Fohlen nach sechs Tagen verendete ein wenig Kamelmilch, die sie den Kindern einflössten. Eine Handvoll Orangen, gab nocheinmal einige Tropfen Flüssigkeit her. Als das Benzin nach orientierungsloser Fahrt im Kreis zu Ende gegangen war hoben die sechs eine Grube unter dem Auto aus, um sich vor der sengenden Sonne zu schützen. Die letzten drei Tage ohne Wasser überlebten sie, indem sie sich die Haut mit Urin einrieben, um weniger Feuchtigkeit an die trockene Luft zu verlieren.

Wir nehmen uns die Geschichte zu Herzen, denn wir haben von anderen gehört, die weniger Glück hatten. Oft vergehen Jahrzente bis eine Karawane oder eine Militärpatroullie die mumifizierten Leichname der Unglücklichen in einer Sandverwehung entdeckt. Immer wieder kommt es unter diesen Umständen zu Fällen von Kannibalismus und so wundert es nicht, dass manche Reisende für immer verschwunden bleiben. Elkontchi erzählt auch von großen Treibsandfeldern, in denen schon ganze Bohrwagen der Erdölprospektoren versunken sind.

Jenseits Djado, im Osten, gäbe es noch andere Gefahren. Dort tue man gut, einen TubuFührer zu engagieren, wolle man nicht Gefahr laufen, ausgeplündert und mit einem Wasserschlauch seinem Schicksal überlassen zu werden. Eine deutsche Touristengruppe, sei im Dezember dennoch alleine gefahren. Einer der Wagemutigen habe seinen Leichtsinn mit einem Schultersteckschuss bezahlen müssen. Die um ein Wegegeld geprellten Banditen hatten den fliehenden Urlaubern eine Salve aus einem Sturmgewehr hinterher geschickt.

Wir konzentrieren uns indes auf die morgige Suche, denn am Abend haben wir die Dünengürtel überquert und vor uns liegt die endlose flache Ebene der Ténéré-Tafafasset. Immer wieder ist es hier in den letzten Jahren zu vereinzelten Meteoritenfunden gekommen, meist durch einheimische Führer, die die seltsamen schwarzen Steine auflasen und in Agadez oder Niamey kundigen Geologen vorlegten. Doch auch europäische Wüstenfahrer machen hin und wieder einen Glücksfund.

Die wertvollen Informationen zur Fundlage eines solchen Steines sind dann in der Regel verloren. Genaue Ortsangaben, geologische Daten über das Umfeld oder Informationen über den Fundhorizont lassen sich kaum mehr rekonstruieren, ist der Stein erst einmal durch mehrere Hände gegangen. Doch die Aussicht auf die vermeintlich astronomischen Summen, die dem Finder winken, treibt immer mehr Menschen auf die Suche nach den "Tekack", den Himmelssteinen, wie die Targi sie nennen. Betrachtet man den finanziellen Aspekt, ist ein mittelgroßer Chondrit, wie sie seit den letzten Jahren zentnerweise in den algerischen und lybischen Streufeldern gesammelt werden, nicht einmal das Benzin wert, das auf der Fahrt in die entlegenen Fundgebiete verbraucht wird.

Selbst wenn man die libyschen Spritpreise zur Grundlage nimmt. Doch die Aussicht auf seltene Exemplare, etwa Mars- oder Mondbasalte führen zu übertriebenen Gewinnerwartungen, die sich nur in den seltensten Fällen realisieren lassen.


www.niger-meteorite-recon.de
Expedition 2002 - Die Story
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | Team | Area Map


 




Weitere Expeditionsberichte in Meteorite





  © 2001-2008 NigerMeteoriteRecon